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Kinderbetreuung in Erstaufnahmeeinrichtungen

Da ich gerade noch in der Ausbildung zum Erzieher bin und meine Berufsschule das Bildungswerk des DRK ist, lebt unser Schulleiter auch die Grundsätze des DRK. Leipzig ist ja auch in Sachsen die Stadt, welche die Erstaufnahmeeinrichtungen betreibt – zwischenzeitlich waren es drei Stück: Neue Messe, Quarterback Immobilien Arena und Mockau II, so kam unser Schulleiter auf die Idee, dass die Erzieherazubis einem Berufsschultag in der Woche in die Erstaufnahmeeinrichtungen fahren könnten um dort die Kinder zu betreuen, da etwa 1/3 der geflüchteten Personen Kinder sind. Kaum stellte unsere Schulleitung und Fachbereichsleitung die Idee vor, war die ganze Klasse Feuer und Flamme dafür. In einer Nacht und Nebelaktion, hat unser Schulleiter Material bestellt, damit wir eine Grundaustattung hatten – also Papier, Stifte, Knete, Scheren und anderen Bastelkram. Schnell hatten wir uns auch geeinigt, wer in welche Einrichtung geht. Ideen gab es viele, was wir machen wollten mit den Kindern.

Ich war in Mockau II schon zu mehreren Betreuungseinsätzen von der Schule. Die Geflüchteten sind in kleinen Wohneinheiten untergebracht, es gibt eine große Gemeinschaftsdusche, getrennt nach Geschlechtern, eine medizinische Erstversorgung (bei Bedarf werden erkrankte Personen an Ärzte weiter vermittelt), eine große Mensa, sowie ein Lager aus den die Spenden ausgegeben werden. Es gibt auch einen Spielplatz und einen Bolzplatz. Da es ’nur‘ Erstaufnahmeeinrichtungen sind, bleiben die meisten Personen weniger als eine Woche in dem Lager und werden dann mit Bussen in andere Städte gebracht, damit sie da in Heimen oder anderen Wohnungen untergebracht werden können.

Die Kinderbetreuung wird gut angenommen. Es kommen immer mal ein paar Kinder vorbei, um etwas zu malen, zu basteln oder auch nur um etwas Süßes zu naschen. Auch wenn es eine Sprachbarriere gibt, versteht man sich doch irgendwie – manchmal hilft auch eine App, die aus dem ukrainischen/russischen ins Deutsche übersetzt. Einige Kinder können auch etwas englisch sprechen. Die meisten Kinder, die vorbei kommen sind in der Altersspanne von 3-10. Jeder Tag ist anders, wenn wir da sind. Manche Kinder kommen schüchtern herein und sind dann auch nicht lange da. Andere bleiben da, so lange wir da sind. Manchmal bleiben die Eltern die ganze Zeit bei ihren Kindern, manchmal werden die Kinder nur gebracht. Es ist schön zu sehen, dass die Kinder das annehmen, dass sie sich freuen, wenn wir mit ihnen zusammen etwas malen, oder Einer von uns den Kindern die Nägel lackiert. Wir sind breit aufgestellt mit dem was wir dabei haben, da die Spendenbereitschaft hoch ist. Wenn ihr etwas zur Beschäftigung von Kindern spenden wollt, dann gern Puzzle, Memory, Kartenspiele oder auch Brettspiele (wie Mensch ärgere dich nicht, oder andere Spiele die entweder Selbsterklärend sind oder schnell und einfach lernbar) – die wenigsten geflüchteten können Deutsch, sodass ein keinen Sinn macht Spiele wie ‚Wer wird Millionär‘ oder andere komplexe Spiele mit deutschen Texten zu spenden, auch machen Bücher auf deutsch wenig Sinn – kleine Kinder schauen sich zwar gern Bücher an, für die ist die Sprache ja egal, aber in den Lagern sind so viele Bücher, die einfach Jugendromane sind und ähnliches, die keiner/kaum einer der geflüchteten lesen kann. Wenn ihr die Bücher loswerden wollt oder die Spiele, dann fragt lieber in einem Kindergarten oder einer Schule nach, ob die Interesse an dem Material haben oder ihr bringt es in Büchertauschkisten. Spendet bitte keine Sachen, die Lagerfläche blockieren und wenigen Nutzen haben.

Ich war überrascht, wie es in der Einrichtung von der Stimmung her ist. Den Leuten ging es verhältnismäßig gut – man kümmert sich auch so gut es geht um die Personen in den Einrichtungen. Leider kann man keine tiefergreifende psychologische Betreuung anbieten, aber es gibt eine psychische Notallversorgung (auch für die freiwilligen Helfer). Viele Hilfskräfte sind in langen Schichten stehts bemüht den Leuten zu helfen. Freiwillige Helfer geben Kleidung aus, helfen bei Papierkram, machen Coronatests, sortieren Lager, reinigen die Wohneinheiten und bereiten diese für die nächsten Bewohner vor. Man schaut mit den Geflüchteten, wie es weiter gehen soll, ob sie medizinische Betreuung brauchen und wenn ja, wird diese organisiert. Da immer noch freiwillige Helfer gesucht werden: meldet euch bei dem Organisationen, die die Einrichtungen bei euch betreuen, sie freuen sich über jede helfende Hand. Und es gibt für jeden etwas zu tun, wenn einen mehr die Logistik/Lager liegt, dann wird man dort eingesetzt. Wenn man dolmetschen kann, dann kann man dort unterstützen.

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