Animation/Trickfilm

Disney’s Dumbo und die psychedelische Musik – Teil III

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4.3 – Die Musik in ‚Pink Elephant on Parade‘

Es handelt sich in dieser Szene um eine interpolierte Musikszene, die in sich geschlossen ist und in den Vordergrund tritt. Zu Beginn wird deutlich, dass es sich um einen Horrortrip handelt , da die Sektblasen, welche Dumbo mit den Rüssel anfertigt, zu vier rosa Elefanten werden, deren Rüssel sich zu Trompeten formen. Mit diesen Rüsseltrompeten blasen sie damit eine laute, signalhafte Fanfare, dadurch wirken die pinken Elefanten wirken wie Herolde. Diese Elefantenherolde befinden sich am Himmel, welcher dunkelblau bis schwarz ist und in Kontrast zu den pinken Elefanten steht. Die vier Elefanten weisen auf die vier posauneblasenden Engel der Apokalypse hin, wie beispielsweise von Rogier van der Weyden dargestellt.8

Die Harmonik in diesem Teil der Szene ist nach Moll eingetrübt. In diesem Teil steigt Dumbo dysphorisch in seinen Rausch ein, was auch auf Meskalin hindeutet, da es für den Alhokolrausch nicht typisch ist, dass man diesem mit einem Horrortrip startet. Der kleine Elefant ist zu Beginn des Trips traumatisiert, wurde von seiner Mutter getrennt, aus der Gesellschaft verstoßen und depressiv. Durch die Furcht die er verspürt weitet sich das Ganze zu einer Angstvision aus. In dem Marsch gibt es eine bizarre Instrumentation mit scheppernden Blech, klappernden Xylophonen und hohle Glockentöne. Damit wird ein gespenstischer Mitternachtskarneval suggeriert, das manifestiert sich stark in der Idee der apokalyptischen Elefanten, welche sich gegenseitig den Garaus machen. Das Verhalten der Elefanten spiegelt sich in der Musik wieder, besonders wenn Aggression und Vernichtung die Szene bestimmen.9

Der Song ‚Pink Elephants an Parade‘ wird vom Vokalensemble The Sportsmen gespielt, Musik und Text sind von Oliver Wallace und Ned Washington. Die Stimmen in diesem Lied zittern gespenstisch und überschlagen sich vor Angst, was auf Dumbos Angst hindeutet und auf sein Trauma. Das äußert sich außerdem in bunten und bewegten Mustern/Formen, aber auch in gespenstischen Halloween-Masken. Bild und Ton wirken wie eine Einheit und visualisieren Dumbos Empfindungen deutlich. Der Song wird von einem rein instrumentalen Teil für den zweiten Teil der Vision abgelöst. Die Musik und die dazugehörigen Bilder werden schlagartig freundlicher. Die Musik geht in eine leichtere, schwerelosere Version über. Es werden jetzt arabisierte Skalen verwendet. Im Besonderen wird eine Spielweise, welche an eine afrikanischer Klarinetten angelehnte Melodielinie ist, wird von der Oboe und auch von dem Englischhorn aufgegriffen. Dieser Melodie folgt ein eleganter Walzer, welcher von Harfenschlägen, Streicherphrasen untermalt ist. Der Abschnitt mit der Walzer-Melodie wirkt schwereloser, was auch optisch dargestellt wird. In dieser Szene werden teilweise Tänzer mit Schlittschuhen auf dem Eis gezeigt. Auch wenn die Szene sich allmählich auflockert, ist die Hintergrundfarbe immer noch schwarz und die Elefanten werden mit kräftigen Farben dargestellt, auch wenn diese nun besser untereinander harmonieren.10

Die dritte Tanzepisode weist Parallelen mit dem lateinamerikanischen Mambo auf. Dieser Teil ist rhythmisiert durch Percussions und einem Blechbläserarrangement und wirkt durch diese Instrumente und die Melodie positiv und sorglos, aber auch befreit. In dieser Szene können mehrere Elemente psychedelischer Musik gehört werden, welche den späteren entstandenen Psychedelic Rock charakterisieren. Der Psychedelic Rock wird besonders durch die Vorliebe für längere instrumentale Passagen geprägt, welche eine Vielzahl musikalischer Stile und Stimmungen vereinen. Der Einsatz exotischer Musikstile und Instrumente aus ‚anderen‘ Kulturkreisen unterstützen das noch zusätzlich. Dadurch wird die Ferne und die Abgehobenheit von der Alltagsrealität dargestellt. Die visuellen und akustischen Vision der Elefanten macht die anfänglichen Schrecken vergessen, da die Farben und Formen der Elefanten nun harmonischer sind, aber auch die Farbkontraste nun geringer sind und aus den gruseligen Aufmarsch wird Bewegungsfreude, Leichtigkeit und Schwerelosigkeit.11

Alle vorkommenden Tanzmelodien in dieser Szene sind eine Variation von Pink Elephants on Parade. Die Einheit des melodischen Materials weist auf die Konstanten der ganzen Szene hin, in der es in der ganzen Zeit nur um Bewegungsarten von Elefanten geht, mit einem besonderen Augenmerk auf der Bewegungsart von Dumbo. Die Veränderung im Klang dieses Materials entsteht durch andere Harmonisierung, Rhythmisierung und ein anderes Arrangement. Dies macht deutlich, dass es Einer anderen Stimmung beziehungsweise einer anderen inneren Einstellung zu den Techniken der Fortbewegung bedarf.12

Interessanterweise spielt es keine Rolle in welcher Sprache man die Szene anschaut, die Wirkung ist immer gleich. Bei diesem Film haben sich sowohl die Übersetzer und auch Sänger sehr hart daran gearbeitet, dass es wie im englischen Original wirkt. Was leider bei vielen neueren Filmen nicht der Fall ist und vieles durch eine, zum Teil auch unnötige, Übersetzung zerstört wird.

4.4 – Der Text zu ‚Pink Elephants on Parade‘

„Look out! Look out!
Pink elephants on parade.
Here they come!
Hippety hoppety, hey’re here and there,
Pink elephants everywhere.

Look out! Look out!
They’re walking around the bed,
On their head,
Clippity cloppity, arrayed in braid,
Pink elephants on parade.

What’ll I do?
What’ll I do?
What an unusual view!

I can stand the sight of worms,
And look at microscopic germs,
But technicolor pachyderms is really too much for me.

I am not the type to faint when things are odd,

or things are quaint,
But seeing things you know that ain’t

can certainly give you an awful fright.

What a sight!
Chase ‚em away!

Chase ‚em away!
I’m afraid, need your aid.
Pink elephants on parade!
Pink elephants!“13

Das Lied Pink Elephants on Parade besteht aus sechs Strophen, welche keine einheitliche Zeilenanzahl haben. Es gibt Strophen mit drei Zeilen, aber auch welche mit sechs Zeilen. Die erste und zweite Strophe beginnen jeweils mit der gleichen Wiederholung ‚Look out!‘. In der ersten Strophe reimen sich nur die letzten beiden Zeilen, die Restlichen nicht. In der vierten Zeile taucht eine Wortneuschöpfung auf, welche den Abschnitt in der Animation durch seine Lautmalerei ‚Hippety hoppety‘ unterstützen soll. In abgewandelter Form taucht diese Lautmalerei auch in der zweiten Strophe als ‚clippety cloppety‘ auf. Auch hier hat es wieder die Wirkung, dass es die Szene ins schaurige hin unterstützt. Die Zeilen in der dritten Strophe beginnen alle mit dem gleichen Wort, die ersten zwei Zeilen sind sogar identisch. Die dritte und die vierte Strophe weisen keine Reime auf. Strophe fünf hat wiederum Reime, wobei sich da die zweite und dritte Zeile reimen. Strophe sechs hat keinen Endreim, dafür aber, nach der Wiederholung der Zeile zwei einen Reim in der Zeile mit ‚afraid‘ und ‚aid‘.14 Pink Elephants on Parade ist das einzige Stück in dem Film, welches nicht zu den Anderen passt, sowohl vom Text als auch von der Musik her.

5 – Zusammenfassung

Durch die genaue Betrachtung der einzelnen Teile der Szene ‚Pink Elephants on Parade‘, also der Musik, den Text des Liedes und auch die Animation, wird deutlich dass die Szene bewusst so geschaffen wurde. Kein anderer Disney Film weist eine derartige wirkungsstarke Szene auf, welche auf mehrere Sinne wirkt. In dem Film ‚the many Adventures of Winnie the Pooh‘ gibt es zwar eine Szene die ‚Pink Elephants on Parade‘ ähnelt vom Aufbau her, da die Szene in groben Zügen an die Szene bei Dumbo angelehnt ist, aber weniger von der Musik her, sondern vor allem von der Animation her. Diese ist nicht so düster wie der Song aus Dumbo und das Lied aus Winnie Pooh erzeugt nicht die gleiche schaurige Stimmung und gibt das psychedelische, rauschhafte auch nur von den Bildern her wieder, also den Farben und Formen wieder, weniger von der Musik. Es scheint so, als wären die rauschhaften Szenen wirklich nur mit den Anfängen der Disney Studios verknüpft. Der Film Fantasia wurde ja auch in den 60er Jahren mit psychedelisch beworben. Der Film Alice im Wunderland wirkt für Viele auch als würde Lewis Caroll auch nur einen Rauschtraum wieder geben. Allerdings gibt es keine Dokumente die Belegen, dass er Drogen genommen hat. Alle anderen Filme von Disney die nach der psychedelischen Strömung erschienen sind, weisen keine Rauschszenen auf.

Drunken pink elephants have no place in a childrens‘ movie,
but they provide the key moment in the best animated film of all time“15

dumbo4588979Das Zusammenspiel aller Elemente macht die ‚pink Elephants on Parade‘ Szene zu etwas einzigartigen im Disney Universum. Dadurch dass dieser Abschnitt des Filmes sehr düster ist und die Musik von gespenstisch über Tanzmusik bis hin zu orientalischer Musik wechselt, fanden viele Kinder und Jugendliche diese Szene gruselig, aber auch verstörend. Es bleibt abzuwarten, wie die Szene in der Live-Action-Verfilmung umgesetzt wird, die 2018 in die Kinos kommen soll. Dadurch dass die Szene nicht wegfallen kann und Tim Burton der Produzent des Filmes ist, kann man davon ausgehen, dass die Szene in dem neuen Film mindestens die gleiche Wirkung erzielt, wenn die Szene nicht sogar noch mehr auf das Bewusstsein gehen wird und den Rauschzustand nicht noch tiefer greifender darstellen wird. Dadurch dass der Film in 3D gezeigt werden wird, erlebt man den Rauschzustand auch auf einer stärkeren Ebene.

Bedenklich ist die Botschaft die Disney mit dieser Szene vermittelt, da sich das Trauma beziehungsweise das Problem von Dumbo nur auflöst, weil er betrunken ist. Für den Plot ist es die schnellste Lösung, damit er sein Talent erkennt, weil sich sonder der Film unnötig in die Länge ziehen würde, wenn Dumbo erst einige Sachen ausprobieren würde, um zur Lösung seines Problems zu kommen. So vermittelt der Film aber die Botschaft: wenn du Probleme hast und dich betrinkst, dann löst dich dein Problem.

Dumbo wakes up in a tree with a hangover. Timothy wonders how they got up there
and then realises – it was the ears! Dumbo can fly! But it’s not Dumbo’s self-belief
that leads him to salvation. It’s not pluck, nor guts, nor persistence. It’s booze that
unlocks his gift. That’s a terrible, adult message. As good an example of Disney’s
darkness as any. We talk now about mainstream animations pleasing parents and kids.“16

Quellen:

8Herzfeld, Gregor: „Disney psychedelisch – Musik im Zeichentrickfilm“ , S. 136-137

9Herzfeld, Gregor: „Disney psychedelisch – Musik im Zeichentrickfilm“ , S. 137-139

10Herzfeld, Gregor: „Disney psychedelisch – Musik im Zeichentrickfilm“ , S. 139-140

11Herzfeld, Gregor: „Disney psychedelisch – Musik im Zeichentrickfilm“ , S. 141

12Herzfeld, Gregor: „Disney psychedelisch – Musik im Zeichentrickfilm“ , S. 142

13Tientyen, David: The musical world of Walt Disney – S. 64

14 Tientyen, David: The musical world of Walt Disney – S. 64

2 Kommentare zu „Disney’s Dumbo und die psychedelische Musik – Teil III

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