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Disney’s Dumbo und die psychedelische Musik – Teil II

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3 – Fantasia

In dem Film Fantasia werden klassische Musikstücke mit Bildern unterlegt. Er ist der dritte abendfüllende Film von Disney und erschien ersten Mal 1940. Zu diesem Zeitpunkt floppte der Film. So dass er 1969 erneut in die Kinos kam, diesmal wurde in der Werbung als psychedelisch und ultimativer Trip beworben. Durch diese Aussage in der Werbung wurde der Film erfolgreicher und war besonders bei Jugendlichen beliebt. Selbst das Kinoplakat wurde für diesen Zweck neugestaltet und enthielt Elemente der psychedelischen Kunst. Es wurde ausschließlich ‚klassische‘ Instrumentalmusik für den Film verwendet. Die Tonspur entspricht einer synthetisierten Imagination aus Bild und Ton. In der Zeitschrift ‚Age of Aquarius‘ wurde der Film als Erlebnis ausgegeben, das den drogenaffinen Zuschauern zusprechen werde.1

fantasia_onesheet_1969Fantasia stand Yellow Submarine von/mit den Beatles in nichts nach, in beiden Filmen gab es von klassischer Musik begleitete Bilder, die surrealistisch, abstrakt und experimentell waren. Die Musik ist kein schmückendes Beiwerk, sondern wird von Bildern inszeniert und ermöglicht damit die Bildsprache vom gewöhnlichen narrativen und dramaturgischen Muster abweichend zu gestalten. Zeichentrickfilme ermöglichten das darstellen fantastischer Bereiche, was Spielfilme zu dieser Zeit noch nicht leisten konnten. Der Film Fantasia erschließt das fantastische und stimmungsvolle Potential der Musik. Damit wurde Fantasia zu einem Prototypen von Zeichentrickfilmen, in welchen Bild und Musik von den Zuschauern so entschlüsselt werden konnte, dass es eine Nähe zur aisthesis von Rauscherfahrungen durch Drogen sugeriert.2

4 – Dumbo

4.1 – Inhalt des Filmes und Szenenbeschreibung

dumbo-movie-poster-1941-1020198113Mrs. Jumobo, Dumbos Mutter ist ein Elefant im Zirkus und bekommt Dumbo, welcher von einen Storch gebracht wird. Der kleine Elefant Dumbo wird im Zirkus geärgert und gehänselt wegen seiner großen Ohren, da er über seine Ohren stolpert und nicht so majestätisch schreiten kann wie die anderen Elefanten. Weswegen er als Clown eingesetzt wird, seine Mutter wird weggesperrt, da sie ihn verteidigen möchte und deswegen als Gefahr gesehen wird. Im Laufe des Filmes trinkt Dumbo aus einem Wasserbottich in dem sich Alkohol befindet, wodurch er eine Art Trip durchlebt, durch diesen Trip merkt er, das er fliegen kann. Durch einen Rausch und den damit verbundenen Trip, findet er eine Lösung seines Problems, kann damit die Menschen mit seinem Talent begeistern und wird zum Star.

The ‚bubble‘ elephant blows another bubble out of his trunk, and soon there are
four elephants using their trunks to herald the song ‚Pink Elephants on Parade‘.
What follows is a surreal fantasy od design, space, color, light, and gags.“3

Die Szene beginnt damit, das Dumbo mit seinen Rüssel eine Art Seifenblase bläst, aus welcher ein Elefant wird, der aus seinem Rüssel drei weitere formt. Es gibt eine kurze Einspielung in der Timothy mit Dumbo spricht und sich dann unter Dumbos Hut versteckt. Dann geht es wieder um die pinken Elefanten, aus dessen Rüssel Trompeten werden. Eine Trompete ändert ihre Farbe von pink zu gelb, wird größer und geht kaputt. Aus der defekten Trompete läuft eine Marschkapelle aus pinken Elefanten heraus. Die marschierende Elefanten sind zum Teil selbst das Instrument und verändern beim marschieren ihre Größe. Ein großer Elefant tritt mehr fach auf einen Kleineren, worauf hin der kleine Elefant wächst und den Großen tritt, mit dem Ergebnis, dass dieser dann zu 3 kleineren Elefanten zerfällt, welche Trompete spielen. Der einzelne Elefant zerschlägt die Trompeter mit Becken, welches er spielt. Die nun entstanden vielen kleinen Trompeter marschieren im Kreis. Dumbo und Timothy werden zwischen drin gezeigt. Die pinke Elefanten marschieren am Bildrand entlang, Dumbo beobachtet sie dabei und die Elefanten werden immer größer bis sie den gesamten Bildschirm ausfüllen und dann platzen.  Durch das Platzen erschreckt sich Dumbo und versteckt sich hinter seinen Ohren, er nutzt diese als Sichtschutz.

pink-elephants

Der Gesang beginnt und man sieht Elefanten durch ein Fenster, diese treten durch das Fenster ein und marschieren. Beim marschieren variieren sie in Größe und Form leicht. Es gibt sogar einen Elefant der aus einer Seifenblase besteht. Ein perspektivisch verzerrtes Bett an der Decke eines dunklen Raumes, die pinken Elefanten marschieren am Boden im Kreis. Im Takt der Musik blitzt in gelb eine Musterung auf den Elefanten auf, welche wie Paradeuniformen wirken. Szene dreht sich, sodass nun das Bett am Boden ist und die Elefanten an der Decke. Ein verängstigter Elefant taucht im Bett auf, welcher sich panisch umschaut. Dann verschwindet das Bett im Hintergrund. Und zwei graue Elefantenköpfe tauchen auf – Einer am unteren Bildrand und Einer oben – Beide interagieren miteinander und verschwinden aus der Szene. Eine blaue und eine gelbe Schlange mit Elefantenkopf kommen ins Bild. Die Blaue mit Hut von links oben und die Gelbe mit Schirm von. Kurze Zeit später stellt sich heraus, dass die Schlangen mit Elefantenkopf nur die Rüssel von bunten Elefanten sind. Es folgen den Rüsseln ein blau-rot gestreifter Elefant und ein gelb-violetter Elefant, diese laufen ineinander und die Muster verschmelzen, ebenso wie die Farben und Elefanten. Dadurch kommen sie nicht mehr voneinander los, auch wenn sie stark ziehen, sodass sie schlußendlich zerplatzen. Es tauchen bunte Elefanten auf, die marschieren, dann kommt es zu einer Art Bildstörung und ein Mischwesen aus vielen bunten Elefantenköpfen taucht auf. Drei der Köpfe werden immer größer und nehmen ganzen Bildschirm ein, aus den Augen des Elefanten in der Mitte werden Pyramiden und Kamelelefant taucht hinter den Pyramiden auf. Eine Pyramide wird zu einem Elefanten der Schlangenbeschwörer ist, daraufhin wird der Kamelelefant zur Schlange, nur um kurze Zeit später zum Bauchtänzer zu werden. Dieser tanzt eine Weile, wird dann aber abstrahiert und wird zum Kreis. Aus diesem Kreis wird ein Auge.

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Vier gelbe Elefanten tauchen auf und spielen Fanfare. Es kommt zu einer Kamerafahrt und die gelben Elefantenleiber sehen aus wie zusammengenäht und sie nehmen auch den gesamten Bildschirm ein. Auf dem gelben ‚Stoff‘ befinden sich zwei Elefantenmasken, welche Freude und Trauer zeigen, wie bei den Masken,welche das Theater symbolisieren. Der gelbe Stoff zerreisst und tanzende Elefanten tauchen auf. Der Hintergrund ist dunkel, Elefanten sind in rosa und hellgrün stilisiert. Es folgt ein Paartanz und der Rüssel der Elefanten verformt sich, es wird über streckt, wird zu einer Treppe. Auf diese Stufen steigt einer der Elefanten und springt von da aus ins Wasser. Ein pinkes Elefantenboot rudert in die Mitte des Bildes, hält an und schaut durch ein Fernglas, worauf hin ein Wasserspeier Elefant auf taucht und das Boot nass spritzt. Die Szene löst sich auf und zwei Elefanten mit rosa blauen Farbschema tauchen auf und laufen Schlittschuh. Sie verschwinden zusammen aus dem Blickfeld und tauchen als Skiläufer wieder auf. Als sie auf den Zuschauer zu kommen lösen sie eine Schneelawine aus, die den ganzen Bildschirm einnimmt. Danach sieht man zwei frierende und eingeschneite Elefanten, welche sich nach kürzester Zeit warm tanzen. Die Farben wechseln auch von kalt zu warm. Die beiden Elefanten sind durch ein elektrisches Feld zwischen den Rüsseln verbunden, das Feld reist allerdings ab und ein Elefant tanzt dann damit alleine, bevor er das elektrische Feld als Blitz auf den anderen Elefanten wirft. Dieser zerfällt in viele kleine pinke Elefanten die tanzen. Das Farbschema wechselt mehrfach, bevor es wieder zu einer Paarszene kommt. Die Elefanten werden zu Autos. Die Szene wird immer hektischer, ebenso wie die Musik in ihr. Es tauchen neben den Autos noch Züge, Schlittenfahrer und andere Fortbewegungsmittel auf. Von der rechten Seite her kommt eine Zielflagge ins Bild, welche an einer Fanfare befestigt ist. Es tauchen weitere Fortbewegungsmittel mit Elefanten auf und die Szene wird immer schneller und hektischer. Worauf hin eine Explosion folgt und viele pinke Elefanten fallen darauf hin nach unten und werden zu Wolken, Tag bricht an. Die Szene endet damit dass Dumbo auf einem Baum sitzt.

[…] Disney takes us into this marvelous surrealistic sequence of transmogrifying pink elephants. What that does is eradicate the circus world from out minds. And that circus world was a pretty cynical one. It’s not simply that Dumbo and his mother were ostracized, but that the circus itself was not a place of fun and fantasy, but just a gig. Whatever it is that children have in mind when daydreaming about running off to join the circus, this is not the circus they dream about. The cynicism displayed by the animals in the opening day parade, for example, was marvelous, as was the nastiness of the clowns.“4

Der Hintergrund ist in der ganzen Szene von Pink Elefants on Parade dunkel und die Elefanten als Handlungsträger haben immer eine helle und grelle Farbe. Dadurch heben sich die Elefanten vom Hintergrund sehr gut ab und verstärken damit auch die Empfindung der Musik. Da die Elefanten durch die Farbgebung etwas gespenstisches und gruseliges an sich haben. Die Dickhäuter in dieser Szene sind die meiste Zeit anthromorph. Abbildung 3

4.2 – Der Rauschzustand in der Szene

In der „Rauschszene“ betrinkt sich der kleine Elefant aus Versehen, denn er trinkt aus einer Tonne, in der sich mit Sekt verunreinigtes Wasser befindet. Bevor es zu dieser Szene kommt, war Dumbo daran Schuld daran dass eine riesige Pyramide aus Elefanten zusammenstürzte. Durch dieses Missgeschick wurde er zum Clown degradiert, dieses Erlebnis kann als traumatische Szene gesehen werden und in eben dieser traumatischen Szene liegt auch der Kern zur Lösung seines inneren Konfliktes. Aber um die Lösung des Konfliktes zu erkennen, braucht er die Hilfe seines Freundes Timothy Mouse und die des Rausches. Der Rausch dient hier als Katalysator, welcher hilft sein Potential zu sehen. Man kann also sagen, dass ein freundschaftlich begleiteter Rauschtraum das Trauma besiegt. Wegen der Möglichkeit eines Horror-Trips und/oder eintretender Selbstüberschätzung, wird der Konsum oft in Gruppen von Freunden oder einen nüchternen ‚Guide‘ vorgenommen. Womit auch ein Bezug zur Drogenkultur hergestellt wird.5

Die Psychedeliker sind Überzeugung, dass sich in den bildhaften Fantasien und den dazugehörigen Gefühlszuständen der Schlüssel zu den Seelenleben der Menschen verbirgt. Im Fall von Dumbo und Timothy gibt es eine Vision von tanzenden und sich artistisch gebärdenden Elefanten am Himmel, diese geben den kleinen Elefanten die Idee, das er fliegen könne und damit Artist sein könne. Die Inspiration dafür kam ihn erst durch den Rausch. Der aufschließender Charakter des Rauschzustandes hat dabei geholfen, sein Trauma zu lösen. Der Begriff ‚rosa Elefanten‘ wurde von Jack London in einem autobiografischen Werk geprägt, damit umschrieb er Halluzinationen im Vollrausch und Delirium. Dumbo wird zwar eindeutig als vom Alkohol berauscht dargestellt, aber man kann davon ausgehen, dass er durch einen anderen Stoff in den Rausch geraten ist, da die in der gezeigten Szene auftauchenden Symptome nicht zu einem Alkoholrausch passen:6

  • Dumbo lernt durch den Rausch fliegen
    Das Gefühl fliegen zu können wird aber eher mit LSD verknüpft, aber zu der Zeit als Dumbo entstanden und erschienen ist, gab es noch keine Berichte über LSD – diese wurden erst ab April 1943 von Albert Hoffmann veröffentlicht. Weswegen man davon ausgehen kann, dass es sich eigentlich um einen Meskalin-Rausch handelt, da diese Droge zu der Zeit schon bekannt und im Umlauf war. Meskalin ist eine stark psychedelische und halluzinogene Substanz. Zusammen mit den Pilzen der Art Psilocybe hat dieser Stoff es eine ähnliche Wirkung wie LSD. Die Idee fliegen zu können geht auch eher auf Drogen als auf Alkohol zurück.
  • psychotherapeutische Wirkung weist auch nicht auf Alkohol hin, das passt eher zu Drogen wie Meskalin
    Der Konsum von Ethanol führt eher zu Enthemmung, Stimmungsveränderungen, Störung der Koordinations-, Denk- und motorischen Leistung, Müdigkeit und bei hohen Dosen Koma, welches sich bis hin zu letalen Körperversagen steigern kann. Halluzinationen treten bei Alkohol erst im Delirium auf und in diesem Zustand ist Dumbo nicht, da er dafür eine zu geringe Menge Alkohol zu sich genommen hat.
  • Musik unterstützt den Rausch
    Der Trip nimmt die Richtung eines Drogenrausches, welcher durch die musikalische Untermalung geleitet und verstärkt wird.7

1 Herzfeld, Gregor: „Disney psychedelisch – Musik im Zeichentrickfilm“ , S. 131

2 Herzfeld, Gregor: „Disney psychedelisch – Musik im Zeichentrickfilm“ , S. 131-132

3 Tientyen, David: The musical world of Walt Disney – S. 63

5Herzfeld, Gregor: „Disney psychedelisch – Musik im Zeichentrickfilm“, S. 133

6Herzfeld, Gregor: „Disney psychedelisch – Musik im Zeichentrickfilm“, S. 134

7Herzfeld, Gregor: „Disney psychedelisch – Musik im Zeichentrickfilm“ , S. 135-136

Ein Kommentar zu „Disney’s Dumbo und die psychedelische Musik – Teil II

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