Animation/Trickfilm

Disney’s Dumbo und die psychedelische Musik – Teil I

1 – Einleitung

Musik und Drogenerfahrung stehen in vielerlei Hinsicht im Zusammenhang, denn der im Rausch erlebte Eindruck von Musik unterscheidet sich von dem im normalen Zustand. Das Gehörtes wird im Rausch mit einer größeren Intensität wahrgenommen, teilweise wird es auch mit ekstatischer Begeisterung aufgefasst und mit einer ‚tieferen‘ Bedeutung verbunden. Darum wird Musik von Psychodelikern gern in bestimmten Phasen oder als Kulisse des ganzen Rausches eingesetzt, um damit neue und nicht erschlossene Bewusstseinsregionen zu erreichen und zu erforschen. In den 1960er Jahren entstand aus diesem Grund der Pychedelic Rock – dieser gibt den Rausch der Band wieder, er ist aber auch geeignet den Rausch der Konsumenten zu begleiten oder sogar verstärkend zu stimulieren.1

Ein Alkoholrausch verschließt hingegen die banale, äußere Realität und eröffnet die eigentliche, innerliche Realität im Musikalischen. In der Romantik beziehungsweise in den 19. Jahrhundert spielt die Koppelung von Innerlichkeit, Musik und Drogen eine wichtige Rolle. Bereits um 1900 war Meskalin als Droge sehr verbreitet. Der Rauschzustand, wird an folgenden Punkten festgehalten:

  1. Der Rausch zeigt durchgehend eine erhöhte Gestimmtheit, etwa als gesteigerte Stimmungsintensität“

     

  2. Dadurch treten Stimmungen wie überhaupt der Bereich des Emotionalen im Rahmen des Gesamterlebens stärker in Erscheinung.“

     

  3. Die Abhängigkeit des übrigen Erlebens von der Stimmungsgrundlage tritt deutlich zutage.“

     

  4. Es besteht durchgängig erhöhte Stimmungslabilität“ Dies beschreibt einen abrupten Wechsel zwischen Euphorie und Dysphorie.

Diese vier Punkte gehen auf das Werk ‚Die Psychologie des Meskalinrausches‘ von Hans Friedrich zurück, welches 1940 veröffentlicht wurde.2 Im Rausch kommt es auch zu einer illusionäre Umdeutung der Schallquellen, aber auch zu Klang- und Musikillusionen ohne Außenreize.3 Diese vier Punkte lassen sich auch in der Szene ‚Pink Elephants on Parade‘ aus dem Film Dumbo wiederfinden, wodurch der Schluss nahe liegt, dass die Szene bewusst als Rauschszene gestaltet wurde.

2 – Die Entwicklung der psychedelischen Kunst

Der Begriff psychedelisch umfasst ein breites Spektrum von ästhetischen und stilistischen Positionen, es war aber allerdings nur eine kurzlebige Phase in den Bereichen der Musik, Mode und Film, aber auch Wohnkultur und Design. Im Jahre 1966 gab es eine Show von Andy Warhol im Velvet Underground. In dieser Show gab es eine Dia-/Filmprojektion in Kombination mit Musik, Drogen und einer Lightshow, womit es zu einem visuellen mentalen Allround-Event wurde. Die Kritik am Psychedelischen wird nicht an der ekstatischen Erfahrung in physischer und psychischer Art geäußert, sondern darin, dass es als antiakademische Stilrichtung angesehen wird, da die psychedelische Stilrichtung Komplexität über die Schlichtheit der Muster und Farben stellt.4

Der Begriff psychedelisch beschreibt eine durch Halluzinationen hervorgerufene gestörte beziehungsweise verzehrte Wahrnehmung. Dass Wort ‚psychedelisch‘ tauchte erstmals in Briefen des britischen Psychiater Humphrey Oswald. In dem Brief an das Weyburn Hospital in Kanada beinhaltete eine Abhandlung über die Behandlung von Schizophrenie und anderen Erkrankungen mit LSD. Diese Substanz ist ein Derivat des Mutterkorns und konnte 1938 das erste mal synthetisch von Albert Hofmann und Werner Stoll synthetisiert werden. Am 19. April 1943 machte Hofmann den ersten Selbstversuch mit LSD. In der Psychotherapie experimentierte man kurze Zeit später mit LSD, vor allem als Behandlung gegen Schizophrenie, aber auch bei Sexualstörungen, als Therapie bei Gewalttätern und als schmerzstillendes Mittel. Es gab auch ein Forschungsprogramm der CIA, dies trug den Namen Mind Control. Das CIA gab ahnungslosen Testpersonen LSD, was verheerende Folgen hatte und Ende der 60er Jahre außer Kontrolle geriet. Nachdem es den ersten Toten gab, wurde das Programm abgebrochen. Einige Schriftsteller und Künstler nahmen aber als freiwillige an den Tests teil und bemerkten dabei die bewusstseinsverändernde Wirkung des Stoffes. Erst im Oktober 1966 wurde LSD in Amerika verboten.5

Die Studie mit dem Titel ‚The Varieties of Psychedelic Experience‘ von Robert Master und Jean Houston belegte die Wirkung von LSD. Die Einnahme der Droge führt zu Halluzinationen, Wahnzuständen, Ich-Stöhrung, Persönlichkeitsverlust, Realitätsverlust, Deanimation, Störung in des Zeit- und Ortsgefühles und weiteren Abweichung vom Normzustand. Die psychedelische Erfahrung spielt sich hauptsächlich im Bewusstsein ab. Die Bewusstseinszustände im Rausch bauen allerdings auf persönlichen Erfahrungen auf, weshalb es im Falle der Szene ‚Pink Elephants on Parade‘ aus dem Film Dumbo anfangs ein Horrortrip ist, es aber beispielsweise bei Alice im Wunderland positiv belegt ist. Im Rausch ändert sich auch das Farbempfinden, Farben werden satter, glühender, strahlender, leuchtender und übernatürlicher wahrgenommen. Das wird auch in der Szene bei Dumbo deutlich. Der Hintergrund ist zwar schwarz, aber die miteinander agierenden Elefanten sind alle in hellen und kräftigen Farben gehalten.6

In der Zeit als LSD aufkam, gab es in verschiedenen Clubs Lightshows bei denen man auch LSD einnehmen sollte, damit man die psychedelischen Erfahrungen in vollen Umfang genießen konnte. Die Lightshows wurden durch ihre Musik, welche Bilder und Farbspiele untermalte zu einem Gemeinschaftserlebnis. In diesen Shows wurde Musik gespielt, welche psychedelisch war, dazu wurden Muster aus farbigen Ölen und Gelen, sich bewegende, kaleidoskopische Formen an Wände oder Leinwände projiziert. Damit sollte eine spirituelle Transzendenz herbeigeführt werden, welche durch die Schwingungen von Ton und Licht erreicht wurden.Des Weiteren sollte die Kombination von Licht und Musik eine Synästhesie hervorrufen.7

Quellen:
1
Herzfeld, Gregor: „Disney psychedelisch – Musik im Zeichentrickfilm“, S. 127

2 Herzfeld, Gregor: „Disney psychedelisch – Musik im Zeichentrickfilm“, S. 129

3 Herzfeld, Gregor: „Disney psychedelisch – Musik im Zeichentrickfilm“, S. 130

4 Grunenberg, Christoph: Summer of Love – Psychedelische Kunst der 60er Jahre, S. 11 & 13

5 Grunenberg, Christoph: Summer of Love – Psychedelische Kunst der 60er Jahre, S. 14

6 Grunenberg, Christoph: Summer of Love – Psychedelische Kunst der 60er Jahre, S. 16

7 Grunenberg, Christoph: Summer of Love – Psychedelische Kunst der 60er Jahre, S. 67-68

Hier geht es zu Teil II

Hier geht es zu Teil III

3 Kommentare zu „Disney’s Dumbo und die psychedelische Musik – Teil I

  1. Dont forget the DEAD….hi from a german deadhead (i ve senn the last tour…when jerry Garcia was still alive…R.i.P. bro ..in los angeles, Las Vegas , Indianapolis, st lois and even the last shows in Chicago….Soldier Field….than Jerry died….and I went to Frisco to see the memorial in the goldwn gate park)…. love and peace

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